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Marokko verbietet Verkauf und Herstellung von Burkas

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Marokko verbietet Herstellung und Verkauf von Burkas
In Marokko sind ab sofort die Herstellung, der Verkauf und der Vertrieb des Ganzkörperschleiers Burka und möglicherweise auch der Gesichtsschleier Niqab verboten. Die Regierung hat bisher keinen offiziellen Grund genannt; es soll aber um Sicherheitsbedenken gehen. Zwar tragen die meisten Marokkanerinnen einen Hidschab und sind deshalb nicht betroffen, dennoch ist das Verkaufsverbot ein deutlicher Schritt, um Salafisten im Land in ihre Schranken zu weisen.
Die Händler in Marokko sind gerade ein wenig in Aufregung: Sie haben 48 Stunden Zeit, um ein Kleidungsstück aus dem Sortiment zu nehmen, das auch hierzulande regelmäßig die Gemüter erhitzt, die Burka. Seit Mittwoch sind die Herstellung, der Verkauf und der Vertrieb des Ganzkörperschleiers laut einem Schreiben aus dem Innenministerium verboten - und das in einem mehrheitlich muslimisch geprägten Land. Sicherheitsbedenken sollen die Regierung zu diesem Schritt bewogen haben. Die Burka, heißt es, sei in den Großstädten für kriminelle Aktionen missbraucht worden. Marokkanische Medien verbreiten ein Dokument des Ministeriums im Netz, ein hochrangiger Beamter aus dem Innenministerium soll es laut lokalen Medien unterzeichnet haben. Eine offizielle Mitteilung fehlt bislang, auf Anfragen der SZ reagierte das Ministerium bisher nicht.
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Besonders interessant ist die Wortwahl in dem arabischsprachigen Dokument, das an die Händler und Schneider teilweise persönlich herausgegeben wurde: Darin ist die Rede von Burka, nicht vom Gesichtsschleier Niqab. Dabei ist die Burka, der blaue Ganzkörperschleier, den Frauen vor allem in Afghanistan tragen, in Marokko kaum bis gar nicht verbreitet. Die meisten Marokkanerinnen tragen den Hidschab, das Kopftuch, das Gesicht und Hände zeigt. Viele Frauen in Marokko wären von einem Verkaufsverbot der Burka also nicht wirklich tangiert. In einem zweiten Dokument, das arabische Medien verbreiten, ist allerdings die Rede vom "afghanischen Niqab". Mehrere Händler aus unterschiedlichen Städten bestätigten marokkanischen Nachrichtenportalen, dass auch der Gesichtsschleier, der Niqab, von dem Verbot betroffen sei. Beamte hätten sie aufgefordert, ihre gesamten Bestände in große Plastiksäcke zu packen. Nach Ablauf der Frist würden lokale Verwaltungen dann alles konfiszieren.

Arabische Medien werten den Schritt als Vorstufe zum Verbot im öffentlichen Raum

Das Signal, das von so einem Verkaufsverbot in einem mehrheitlich muslimischen Land ausgeht, ist in jedem Fall beachtlich. Unklar bleibt zwar, ob auch das Tragen der Burka oder des Niqab unter Strafe gestellt wird. Viele arabische Medien interpretieren das Verkaufsverbot aber als Vorstufe zu einem Verbot im öffentlichen Raum. Und ein Verkaufsverbot des meist schwarzen Niqab würde für einige konservative Muslime eine tief greifende Einschränkung bedeuten - zumal die Art der Verschleierung im arabischen Raum bislang kein größeres Thema war. Im Gegenteil: Gesichtsschleier gehören dort zum alltäglichen Stadtbild und werden von den meisten Muslimen toleriert.
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Lediglich salafistische Strömungen sehen den Niqab als religiöse Pflicht an - das Verkaufsverbot soll nun auch vor allem salafistische Kreise im Land in die Schranken weisen. Zwar sind seit 2011 die gemäßigten Islamisten von der islamischen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei die stärkste Fraktion im Parlament, doch die eigentliche Macht liegt bei König Mohammed VI. Er ist Führer der Muslime des Landes, und behauptet, direkt vom Propheten Mohammed abzustammen. In der neuen Verfassung wird er zwar nicht mehr als "heilig" geführt, aber immer noch als "unantastbar". Seine Stellung nutzt der König, um gegen den Dschihadismus vorzugehen.
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